inray Presse Presse 2006 Sicher visualisieren

Brücken bauen

Sichere Prozessdatenvisualisierung auch über’s Internet

Autor: Simone Henseler, erschienen in der elektrotechnik 09/2006, S. 76–77, PDF

Sicherheit ist ein Muss im Unternehmensnetzwerk - auch wenn es manchmal mit dem Umsetzen hapert. Es ist verständlich, dass eine übers Intranet oder Internet verteilte Prozessdatenvisualisierung zwiespältig betrachtet wird. Der Grund dafür: das höhere Risiko nicht-authorisierter Zugriffe auf das IT- oder Produktionsnetzwerk des Betriebes. Gefahren, die sich schon mit geringem Aufwand auf ein Minimum reduzieren lassen.

Das große „ABER“... es tritt genau dann auf, wenn man zwei Netzwerke miteinander koppeln will. Denn, wie sieht es in der Fabrik oder im Büro aus? Daten sammeln, Informationen generieren, ob Füllstände, Temperaturen oder Verbrauchswerte, die Visualisierungssysteme müssen die Vielzahl der Prozessdaten in den Griff bekommen. Um diese Datenflut eindeutiger und transparenter darstellen zu können, sollte man die Informationen bedarfsgerecht verarbeiten. Die meisten Visualisierungssysteme basieren auf Insellösungen, entsprechende Daten erreichen dabei nicht immer den Mitarbeiter, den sie besser erreichen sollten. Und: Verschiedene Personengruppen haben auch einen unterschiedlichen Informationsbedarf. Komplexe Abläufe einfach darstellen kann inMOVE, die Visualisierung der inray Industriesoftware GmbH.

In der Praxis gilt: Einen Instandhalter in der Produktion interessieren mehr die Zustände der Maschinen als die Verbräuche von Materialien. Wiederum sind die Maschinenzustände für das Büro weniger von Bedeutung, dagegen der Materialverbrauch umso mehr, damit eine Nachbestellung schnellst möglich erfolgen kann. inMOVE macht sich deshalb modernste Webtechnologien zunutze, damit eben die entsprechenden Daten die richtigen Personen erreichen. Dies geschieht auf dem denkbar einfachsten Weg - nämlich per MS-Internet Explorer.

Security-Techniken schaffen Sicherheit

Die meisten Unternehmen trennen das Netzwerk für die Produktion und das für die IT, beide arbeiten oft voneinander getrennt und autark. Dies ist durchaus sinnvoll, damit keine unbefugten Zugriffe auf die Steuerungen erfolgen. Der Alltag für Mitarbeiter aus der Verwaltung aber sieht oft wie folgt aus: Er benötigt die aktuellen Materialbestände, ruft deshalb laufend im Lager an, oder er muss gar laufen, um dies herauszufinden. Oder der Instandhalter! Er vernimmt zwar ein ungewöhnliches Maschinengeräusch, aber er weiß nicht, woher es kommt und was die Ursache. Hier bildet die Visualisierung eine Brücke zwischen beiden Netzwerken. Mit ihr lassen sich die aktuellen Materialbestände bequem vom Arbeitsplatz - via Internet Explorer - aus abrufen. Zudem lässt sich auchkann auch das Maschinengeräusch zuordnen sowie der Auslöser des Alarms ermitteln. Warum also nicht beide Netzwerke einfach miteinander koppeln? Und das, ohne eine Brücke zu schaffen! Und damit sei das Problem gelöst. Doch dann kommt es, das große „ABER“!

Wenn man beide Ebenen, die Ebene des Büros und die der Fabrik, sorglos miteinander verbindet, entstehen Sicherheitslücken, die sich Außenstehende leicht zu nutze machen können. Man denke nur an das Stehlen oder Zerstören von betriebsinternen Daten. Auch die verheerenden Folgen eines Angriffs auf eine Fertigungsstrasse lassen sich leicht ausmalen: wenn die Fertigungsroboter mit den Produkten um sich werfen, die sie eigentlich produzieren sollten. Es drohen jedoch nicht nur Gefahren von außen, sondern auch von innen. Befugte Benutzer können durch unwissentliches Installieren schädlicher Software oder das Anzeigen von ungefilterten E-Mails und Webseiten das Netzwerk kompromittieren und in Mitleidenschaft ziehen. Bei solchen Sicherheitsdefiziten können die daraus resultierenden Konsequenzen harmlos sein, aber auch verheerend. Ein nicht autorisierter Zugriff auf die Steuerung kann Produktionsstillstand verursachen oder sogar Menschenleben gefährden.

Man kann dem aber entgegenwirken, indem man eine von den vielen angebotenen Security Technologien nutzt - beispielsweise OpenVPN (Virtual Private Network). Mit OpenVPN lassen sich Informationen geschützt über öffentliche Netze übertragen. Die Funktion von OpenVPN kann wie folgt beschrieben werden:

  • die Verbindung mit dem Intranet aufbauen,
  • die Verbindung zum OpenVPN-Server, der eine Authentisierungs-
    prüfung durchführt,
  • eine gesicherte Datenverbindung wird erstellt (auch Tunnel
    genannt) und
  • die verschlüsselten Daten werden übermittelt und wieder ent-
    schlüsselt.

Ein Bild verdeutlicht den Vorgang: von Arbeitsplatz zu Arbeitsplatz lässt sich ein Tunnel erzeugen, durch den die Daten fließen. Deshalb nennt sich diese Methode auch End-To-End. Weil aber VPN für virtuelles privates Netzwerk steht, können weitere Nutzer miteingebunden werden. Zwei unterschiedliche Arten von Schlüsseln chiffrieren und dechiffrieren die Daten. Zum einen gibt es die symmetrischen Schlüssel. Hier verwendet man ein- und denselben Schlüssel. Von Nachteil dabei: Wird einer der Schlüssel bekannt, ist kein sicherer Datenaustausch mehr möglich. Der Vorteil: Er liegt im schnellen Ver- und Entschlüsseln. Zum anderen gibt es die asymmetrischen Schlüssel: Dabei setzt man auf das Verwenden unterschiedlicher Schlüssel, den sogenannten Schlüsselpaaren. Diese bestehen aus einem privaten und einem öffentlichen Teil. Der Vorteil: Die Schlüssel lassen sich leichter austauschen. Welchen Schlüssel man nun verwendet, das kommt ganz auf die Einzelsituation an. Ratsamer ist sicherlich die asymmetrische Verschlüsselung, weil diese sicherer ist und auch von vorneherein von OpenVPN angeboten wird. Dabei entsteht eine SSL-verschlüsselte Verbindung. SSL steht für Secure Socket Layer und ist ein Protokoll zum Übertragen für verschlüsselte Informationen. SSL wurde für den Einsatz zwischen Client und Server entwickelt. Das Protokoll besteht im wesentlichen aus drei Teilen:

  • dem Record-Protokoll: Es gibt die angewandten
    Verschlüsselungs- und Authentifizierungsfunktionen an,
  • dem Handshake-Protokoll: Mit diesem Protokoll behandeln Client
    und Server den Einsatz von kryptografischen Algorithmen und Schlüsseln und
  • dem Alert-Protokoll: Es signalisiert Fehler und/oder den Abbruch
    einer Kommunikation.

OpenVPN, eine freie Software, ist nur eine der zahlreichen Möglichkeiten, sich vor unbefugten oder auch befugten Zugriffen in einem Netzwerk sicher schützen zu können. Es sollte deswegen nicht als generelle und bestmöglichste Lösung gesehen werden. Es sollte lediglich eine Vorstellung für die Problemlösung sein. Das große "ABER" ... also auch hier: Die Security-Techniken sind vorhanden - aber man muss sie nutzen.

Das Industrienetzwerk: Die vier Feinde

Computer und Daten in einem Netzwerk haben vier potenzielle Feinde:

  • Feind 1: Fehler, die durch die Technik selbst ausgelöst werden. (Beispiel: Rechnerabsturz, brauche dringend Hilfe!)
  • Feind 2: Fehler, die durch unvorhersehbare Ereignisse entstehen. (Beispiel: Großbrand legt Produktion lahm)
  • Feind 3: Fehler, die durch unbefugte Zugriffe ausgelöst werden. (Beispiel: Sasser-Wurm-Programmierer gefasst!)
  • Feind 4: Fehler, die durch befugte Benutzer ausgelöst werden. (Beispiel: Viren, Würmer und Trojaner)

Dipl.-Ing. Simone Henseler ist Mitarbeiterin der inray Industriesoftware GmbH, Schenefeld.

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